1.000 Worte Hass – Wie sieht ein guter SEO-Text aus? Und was sagt Google?

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Zuerst die schlechte Nachricht – ein guter SEO-Text existiert nicht. Der Grund ist einfach. Frei nach Gertrude Stein: Ein guter Text ist ein guter Text ist ein guter Text ist ein guter Text. Ganz ohne SEO. Man kann noch so viele Keywords in einen Text reinstopfen, alles noch einmal mit WDF/IDF von onpage.org gegenchecken lassen, optimieren, reduzieren, aufpumpen und wieder Luft ablassen.

Ein Scheißtext bleibt ein Scheißtext und ein guter Text ein guter – auch ein guter SEO-Text. Und gut ist gut.
Und absolut genial wird es, wenn man versucht, Rand Fishkins Forderung nach 10X-Content auch auf textlicher Ebene zu erreichen (wobei der auch gerne mal seine hier zu findende Liste auf Aktualität überprüfen könnte, da einige Links ins Leere führen).

Sicher, es gibt gewisse Standards bei Punkten wie Zeichensetzung, Rechtschreibung, Textform, Thema, Tonalität, aber die Bewertung eines Textes ist immer individuell und damit zu einem großen Teil emotional. Der eine liebt Hermann Hesse, der andere hasst ihn. Der eine sagt „Fack ju, Göhte!“, der andere wandelt verzückt und wie verzaubert durch Weimar. Die Maschine aber hat keine Gefühle.

Mit Google auf das Schöne, Wahre, Gute

Damit fehlen der Maschine grundlegende Voraussetzungen, einen Text in Gänze zu beurteilen. Jetzt aber sagt Google: Wir bewerten immer stärker nach Qualität. Paraphrasiert: „Auf das Schöne, Wahre, Gute, kommt es uns an!“ Jedenfalls möchte Google, dass wir das glauben. Aber das machen wir natürlich nur eingeschränkt. Schließlich rückt Google nie mit der vollen Wahrheit raus, sondern bestenfalls mit Breadcrumbs.

Das Produkt ist ja gut und wird von Milliarden zufriedenen Kunden genutzt. Nur nach welchen Kriterien bewertet der Algorithmus das, was er da textlich im Internet vorfindet. Keywords schaden schon mal nichts. Wenn ich für einen Kunden aus der Luftfahrt schreibe, lasse ich also ab und an Worte wie „Flugzeug“, „Flughafen“, „Urlaub“ oder „Reise“ fallen. So etwas erkennt eine Maschine: „Ah, ‚Flugzeug‘, das ergibt Sinn, wenn ich das jetzt in die Schublade ‚Flugzeug‘, ‚Flughafen‘, ‚Urlaub‘ oder ‚Reise‘ stecke.“

Flugzeug? Vogel? Nein, es ist Superman! Giphy created through Radio-controlled flying Superman – no comment by No Comment TV

Fliegt auch: Frozen-Face-Superman (Giphy created from Radio-controlled flying Superman by No Comment)

Roboterhirn vs. Literarisches Quartett

Aber wie bitte will Googles Suchmaschine die Qualität eines Textes erkennen? Ist der Algorithmus so etwas wie eine Geschmackspolizei? Hat Google die besten Werke Shakespeares mit Anzeigen, Werbefilmen und anderem Kram, der in Cannes Gold erhalten hat verglichen. Hat der Bot die besten – nur die allerallerbesten! – Werke von Literaturnobelpreisträgern analysiert, diverse Literaturkanons und Songtexte in die Computer gespeist, um so etwas wie den perfekten, den tödlichen Witz zu finden?

Oder sitzen irgendwo in Mountain View (ein Ort, der fast genauso heißt wie eine koffeinhaltige Limonade und klingt, wie eine Special Edition des Axe-Duschgels) Larry Page und Sergej Brin und diskutieren mit Maxim Biller und Christine Westermann: „Herzlichen guten Abend: Heute möchten wir über vier sehr unterschiedliche Texte zu den Themen neue Reiseziele, Comic-Helden, Kreuzfahrtschiffe und Werbeartikel sprechen …“

Nein. So wird es nicht sein. Oder doch? Erinnert sich jemand an die Futurama-Folge (hier in voller Länge zu sehen), in der Fry, Leela und Bender eine Limonadenfabrik (schon wieder das Thema „Limo“, seltsam) besuchen und sich herausstellt, dass das „Getränk“ nichts anderes ist als die Ausscheidungen eines riesigen ekeligen Wurms, der Slurm-Queen?

Am besten ist besser als gut

Das Problem ist: Nix Genaues weiß man nicht. Dafür wird geraunt und gemunkelt, sobald Google Pandas, Kolibris oder Pinguine von der Leine lässt. Mittlerweile arbeiten Medienunternehmen mit Textroboter-Software, die eigenständig Nachrichtenmeldungen und andere Texte zu ausgewählten Themen erstellt (deren Protagonisten und Ereignisse sie vorher selbst erstellt bzw. erfunden hat, wie Lügenpresse-Verschwörungstheoretiker „Muss man wissen!“ murmelnd zustimmen würden). Die Zukunft des Journalismus wird in Frage gestellt, aber Storytelling in der Online-Werbung als goldenes Kalb umtanzt.

Und Google? Google sagt nichts weiter. Oder doch. John Müller, Webmaster Trend Analyst von Google Schweiz, hat eine wichtige Mitteilung zu machen:

„… quality is better than quantity. Our algorithms explicitly try to find and recommend websites that provide content that’s of high quality, unique and compelling to users.“

Ach so. Qualität ist also wichtig. Und nachts ist es dunkel. Si tacuisses, philosophus mansisses. Aber welche Qualität meint Google? Die literarische? Die Qualität, die für Google die besten Werbeeinnahmen garantiert? Die Qualität der Rechtschreibung, der Zeichensetzung oder die Einzigartigkeit und Unwiderstehlichkeit der verwendeten Umlautä, ö, ü …?

Gute Texte, schlechte Texte

Was zeichnet also einen guten SEO-Text, einen guten Text, aus? Schwierig. Einfacher beantwortet ist alles, wenn man negativ rangeht und fragt: Woran erkenne ich einen schlechten SEO-Text? Danach kann man ja weiterschauen.

Ein schlechter SEO-Text

  • ist grammatikalisch fehlerhaft
  • inhaltlich und fachlich mangelhaft
  • wahllos vollgestopft mit Keywords
  • langweilig
  • ungegliedert
  • billig und schnell hingerotzt
  • i. d. R. nicht für Cent-Preise auf irgendwelchen Portalen oder in Facebook-Gruppen zu buchen oder zu bestellen.

Ein guter SEO-Text – und damit auch jeder andere gute Text – ist also ganz einfach das Gegenteil eines schlechten. So platt wie das klingt, könnte es glatt aus einem Interview mit o. g. John Müller stammen. Konkret aber benötigt ein guter SEO-Text neben allen weiteren Rankingfaktoren und Extras, die unsere Kollegen von seo2b hier so schön zusammengetragen haben, folgendes:

Ein guter SEO-Text

  • Jeder SEO-Auftragstext erfordert ein genaues Briefing von Seiten des Auftraggebers.
  • Er enthält Keywords in einem gefühlt vernünftigen Maße, aber nicht Keywords um der Keywords Willen.
  • Er ist ordentlich aufgebaut, folgt einem sinnvollen Plan. Zwischenüberschriften sorgen für Struktur, lockern den Text auf und halten den Leser bei der Stange.
  • Er bietet einen Mehrwert für den Leser und erzählt nicht nur Altbekanntes. Jeder Leser will überrascht werden, Neues, Un- und Außergewöhnliches erfahren.
  • Je nach Thema oder Textform reißt er emotional mit oder informiert sachlich kompetent.
  • Es sind sinnvolle Links gesetzt und nicht wahllose.
  • Er kostet den Auftraggeber einen gewissen Preis. Hohe Qualität ist im Textbereich nicht billig zu haben. DENN: Nicht jeder, der schreiben kann, kann auch texten. „Ich war gut in Deutsch“, „Ich bin Germanistikerin“ (sic!), „Ich liebe es, zu schreiben. Schon als Kind hab ich …“ sind niemals Qualitätsmerkmal, sondern eindeutige Warnzeichen für Textmüll.

Das war die Premiere der Kolumne „1.000 Worte Hass“. Hier  werden immer wieder verschiedene Kollegen von spacedealer ein bisschen zugespitzt  und böse etwas Dampf ablassen. Ich freue mich darauf, Eure Meinung zu hören. Klatscht mir Eure Argumente und Gegenargumente um die Ohren oder jubelt mir zu, „weil: Endlich sagt es mal einer!“ Gebt mir Hinweise und whistleblowt, wie genau Google die Qualität von Texten bewertet. Erklärt mir die noch größeren Zusammenhänge und schickt mir geheime Aufnahmen der echten Slurm-Queen.

Ach ja: Teilen dürft Ihr den Artikel natürlich auch gerne.

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Über den Autor

Nach geisteswissenschaftlichem Studium, Gründung eines eigenen Verlags, der bescheiden GROSSKONZERN getauft wurde, Buchveröffentlichungen als Autor und Verleger sowie einer Karriere als Online-Redakteur in Start-ups, bei ulmen.tv und woanders, schreibt Florian nun Qualitätstexte aller Art für die Kunden von spacedealer.

5 Kommentare

  1. Hallo Florian,
    interessantes Thema.
    Dazu fällt mir ein Zitat von Konstantin Jacoby ein:
    „Dein Text ist erst dann gut, wenn man sich darüber ärgert, dass er schon vorbei ist.“
    Viele Grüße,
    Philipp

  2. Pingback Meine Artikelparade im Januar 2017 - Frau Schmitt Schreibt

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